

















Ursprünglich als Mühle und Bleicherei an der Sitter-Aue errichtet, fügt sich das heute verschachtelte Ensemble harmonisch in die Landschaft am Rande des Dorfes Appenzell. Seine Grundmauern reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, im Laufe der Zeit wurde es fortwährend den wechselnden Nutzungen angepasst und erweitert. Das heutige Erscheinungsbild zählt zu den schönsten Exemplaren der charakteristischen Appenzeller Fassadenmalerei. Die Ferienwohnung befindet sich im Hauptbau im zweiten Obergeschoss.
Verfügbarkeit
Beschreibung & Geschichte
Bereits im 16. Jahrhundert stand am idyllischen Ort an der Sitter, einem Nebenfluss der Thur, eine Wassermühle. Neben der Dorfmühle Appenzell galt diese als die wohl bedeutendste Wassermühle Innerrhodens. Die Mühle stand zwischen 1535-1538 hinter dem heutigen fünfstöckigen Blockbau und wurde nach dem Namen des Besitzers «Strickesmühle» benannt.
Die Bleiche war zunächst eine vom Staat geführte Bleicherei. Die rohe Leinwand aus Flachs wurde eingeweicht, gestampft und gebleicht. Das Wasser dazu wurde von einem mehrere 100 Meter langen Kanal aus der Sitter abgeleitet. Neben der Mühle standen eine Walke am Fluss, ein Beuchhaus (Waschhaus), ein steinernes Schauhaus und die eigentliche Bleiche mit der Wohnung des Bleichemeisters. Eine Walke ist eine historische Textilbearbeitungsmaschine, die zum Walken von Stoffen dient. Walken ist ein mechanischer Prozess, bei dem Gewebe durch Feuchtigkeit, Wärme, Druck und Reibung verdichtet, verfilzt und stabilisiert wird.
Der Appenzeller Leinwandhandel konnte sich aber nicht durchsetzen. Bereits 20 Jahre später standen die Bleiche und Walke still.
1604 beschloss der Landrat die Wiedereröffnung der Bleiche. Im Jahre 1638 wurden bis zu 12’000 Stück Tücher gebleicht. Unter dem Bleichemeister Wyser (1628-1654) vollzog sich der Übergang vom staatlichen zum privaten Betrieb. Wyser gelang es, den defizitären Betrieb in ein blühendes Privatunternehmen zu führen. Unter seiner Führung wurde zudem Korn gemahlen, Wein und Salz gehandelt sowie ein Landwirtschaftsbetrieb geführt. Im Jahre 1750 erfolgte der Bau des neuen Wohnhauses mit der Bäckerei zwischen Hochbau und Mühletrakt.
Im Jahre 1803 gelangte die Bleiche durch die Heirat von Johann Baptist Gregor Rusch mit Anna Maria Antonia Manser (Bleichi Ammereieli) in den Besitz der Familie Rusch, jener Familie, in der sie sich noch heute befindet.
Der Ratsherr Rusch verstarb sehr früh. Von seinen 5 Söhnen überlebte einzig Floridus. Das «Bleichi Ammareieli» übernahm die Leitung des Unternehmens Bleiche. Ihr ökonomisches Talent legte den Grundstein für den wirtschaftlichen und politischen Erfolg ihres Sohnes Floridus. Eine Porträtdarstellung und ein Bildnis des «Bleiche Ammereielis» sind auf einem alten Fensterladen noch erhalten. Johann Baptist Floridus Rusch übernahm im Alter von 23 Jahren die Leitung des Unternehmens Bleiche.
Die Bleicherei war nicht lukrativ, zudem setzte ein Sturmwind im Jahr 1842 den Bleichebauten zu. Floridus gab die Leinenindustrie auf und widmete sich dem Kornhandel, dem Sägewerk und der Landwirtschaft. Als Erster im Lande wendete er Drainage (Entwässerungssystem) an und planierte so die Bleichewiesen. Floridus investierte in Immobilien und Liegenschaften und wurde grösster Grundbesitzer Innerhodens. Wie seine Vorgänger in der Bleiche nahm er vielfältige Aufgaben in der Regierung wahr. Er gab den Anstoss zum autonomen Salzhandel des Kantons und organisierte das Armenwesen. Unter Floridus Leitung erlebte die Bleiche ihren letzten Höhepunkt.
1846 setzte ein Hochwasser im August den Gebäulichkeiten arg zu. Anstelle der zerstörten Mühle liess Floridus eine Sägerei einrichten sowie der Sitter entlang eine Promenade mit Bäumen und Ruhebänke.
Nach Floridus übernahm sein ältester Sohn Johann Baptist Emil Rusch die Bleiche, der sich aber als Vollblutakademiker nicht für den Betrieb interessierte. Dieser baute die Villa Sälde (Glück) unweit der Bleiche und zog um. Als Landammann war er führender Kopf der konservativen Partei, Gründer der Ländlichen Feuerversicherung und Appenzeller Volksfreundes, des Historischen Vereins und der Ländlichen Ersparniskasse (später Kantonalbank). Johann Baptist Emil Rusch verkaufte 1873 die Bleiche für 90’000.- an seinen Bruder Josef Anton Alois.
Die Bleiche war nun ein Unternehmen aus Landwirtschaft, Sägerei, Bäckerei und Kornhandel. Im Jahre 1904 teilte der damalige Besitzer Josef Anton Rusch die Bleicheheimat. Der Sohn Albert Alois übernahm den Landwirtschaftsbetrieb und baute ein eigenständiges Bauernhaus. Die Bleiche mit Sägerei, Bäckerei mit Kornhandel wurde von Josef Anton Rusch-Gmünder weitergeführt.
Ein Hochwasser zerstörte 1908 einen Grossteil der Sägereibauten. Diese wurden als Folge geschlossen und schliesslich 1910 abgebrochen. Der Kanal, der sich durch das ganze Bleichegut zog, und der Tüchelros, der Weiher für die Wasserleitungsröhren, wurden aufgefüllt.
Bis in die 60er-Jahre wurde die Bäckerei mit dem heute noch erhaltenen Holzofen betrieben. 1976 ging der Besitz an Elsi und Titus Haas, Neffe des kinderlosen Vorgängers, über. 2023 erfolgten diverse Aussenrenovationen in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, für die Realisierung der Ferienwohnung erfolgten 2024/25 Innenrenovationen.


- Postkarte von 1907: Feldarbeit auf der Wiese vor der Bleiche.
- Ansichtskarte um 1900: Ein Alpabzug der traditionell von Ziegen angeführt wird, dahinter die mit Blumen geschmückten Kühe. In den gelben Lederhosen sind die Sennen zu sehen.


- Der wuchtige Holzschrank in der Stube wurde eigens für die Bleiche angefertigt. Er steht in der repräsentativen, vertäfelten Stube. Die geschnitzten Fratzen sollen „Böses” abwenden.
- Auch die Stühle sind mit Fratzen verziert, um die darauf Sitzenden vor Unheil zu schützen.
Baukulturelle bEsonderheiten
Die Bleiche ist geschützt und ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung. Gemäss der Kunstdenkmäler der Schweiz, Band Appenzell Innerrhoden, gilt sie als «schmuckster und interessantester Bau der Innerrhoder Einzelhoflandschaft».
Die markante Gebäudegruppe mit Front nach Norden umfasst das historische, grosse Wohnhaus, das 1535 von Werkmeister Lienhard Bilchenfelder erbaut wurde, das niedrigere, neuere Wohnhaus von 1750 mit der Bäckerei und den langgestreckten Rest des ehemaligen Wirtschaftsteils mit Rossstall, Kornanlieferung, erhöhtem Mehlboden und Mehllager.
Auch das Wohnhaus aus dem Jahr 1750 verfügt über eine reichhaltige Fassadenmalerei in Rottönen. Durch die Staffelung in der Höhe und der Versetzung der Gebäudeteile nach hinten, entsteht eine malerische Gesamtansicht, die durch den gepflasterten Hofplatz mit dem Steinbrunnen von 1874 zur Wiese abgeschlossen wird.
Über dem gemauerten Keller- und Erdgeschoss erheben sich die vier überkragenden Obergeschosse des Blockbaus. Der Blockbau ist mit aufklappbaren Schwenkläden, Zugläden und Vertäfelungen verkleidet, die allesamt um 1756 reich in Grün- und Grautönen bemalt worden sind. Die Wandflächen der oberen Geschosse sind mit gemalten Quadern verziert und vermitteln das Aussehen eines Steinbaus. Die Läden, Eckpilaster und Vorstösse zieren rosettenbesetzte Ovale, zierliche, gewundene Säulen, Eichenlaubfriese und Phantasielandschaften. Die Untersichten des Tätschgiebeldaches sind als Wolkenhimmel gestaltet. Auf den Deckbrettern der Pfettenköpfe finden sich die Inschriften «H. Johann Ströili» und «F. Barbara Manser», im Giebel «IHS 1756», auf der Ostseite «Titus Haas-Steffen 1976».
Die überkragenden Obergeschosse, beziehungsweise die gestufte Fassade des Haupthauses, in dem heute die Ferienwohnung liegt, entstanden aus praktischen Gründen: Um aus den Fenstern die langen Leinentücher zum Trocknen aufzuhängen.
Da die Bauten zu unterschiedlichen Zeiten errichtet wurden und die beiden Häuser zu Zeiten von einer einzigen Grossfamilie bewohnt waren, ist die Raumaufteilung kompliziert und durch mehrere Durchgänge vom einen zum anderen Haus gekennzeichnet. Die Hauptwohnräume nehmen die Nordfront ein, Treppen und Gänge liegen auf der Südseite. Im Erdgeschoss des alten Wohnhauses lag der ehemalige Bäckerladen, heute befindet sich dort ein Atelier für Kunsthandwerk.
In der Ferienwohnung liegt die grosse Eckstube mit der repräsentativen Kassettendecke mit einem grossen achteckigen Mittelfeld, die um 1650 datiert ist und vom damaligen Landammann Wyser eingebracht wurde.


- Die Fassadenmalerei hatte in erster Linie eine repräsentative Funktion und brachte Wohlstand sowie Identität zum Ausdruck.
- In der volkstümlichen Überlieferung wird der profanen Malerei zudem eine schützende Bedeutung zugeschrieben. Die lebensgrossen, frontal dargestellten Figuren erwecken den Eindruck, als sei jemand anwesend, um ungebetene Gäste abzuwehren.
Informationen zur Ferienwohnung

- Grundriss der Ferienwohnung.
Die Wohnung in der Bleiche befindet sich im zweiten Obergeschoss. Darunter befindet sich das «Atelier für Kunsthandwerk» von Adalbert Fässler.
Vom Treppenhaus kann die Wohnung direkt über die Küche oder den neu erstellten Vorraum betreten werden. Herzstück bildet die grosse Eckstube mit dem Wandtäfer und einer Kassettendecke von 1650 und dem grünen Kachelofen. Darin findet sich der grosse runde Esstisch und ein Bettsofa. Angrenzend daran findet sich die Küche mit der ehemaligen Koch- und Feuerstelle, heute mit einer modernen Küchenzeile ergänzt.
Über den Flur sind das grosse Schlafzimmer und das Badezimmer erreichbar.
Das Schlafzimmer ist mit einem Doppelbett und einem Schreibtisch ausgestattet. Eine gesamte Zimmerlänge wird von einem Einbauschrank belegt. Die Wände sind mit einer neuen Referenz der vorgefundenen historischen Tapete ausgestattet.
Das moderne Badezimmer ist raffiniert um das Treppenhaus eingepasst. Neben dem Lavabo und dem WC hat man aus der Dusche, die im ehemaligen Abort platziert ist, einen wunderbaren Ausblick über die Wiese.
Die Einrichtung stammt teilweise aus dem Haus oder dem Fundus der Bleiche, ergänzt durch moderne Einzelstücke.
Die Bleiche ist ein historisches Haus, ein Baudenkmal. Da die alten Raumstrukturen weitgehend erhalten sind, ist das Haus nicht barrierefrei. Obwohl das Haus ansonsten technisch modern ausgestattet ist, weisen wir darauf hin, dass die Treppen gewisse Gefahrenquellen bergen.
Personen: 2-3 (plus ein Kind bis 2 Jahre).
Schlafzimmer: 1 Zimmer mit Doppelbett (180×200), im Wohnzimmer ein Bettsofa (140×195), Babybett und -stuhl auf Anfrage.
Saison: ganzjährig
Kurzferien: keine
Höhe: 784 m ü. M.
Haustiere: nicht erlaubt.
ÖV: Vom Bahnhof 10 Minuten zu Fuss.
Parkplatz: Auf dem Platz vor dem Haus.
Aussenbereich: Möblierter Sitzplatz
WLAN: vorhanden
Heizung: Die Wohnung wird zentral mit Öl beheizt.
Ofen / Cheminée: Der Kachelofen kann leider aus Sicherheitsgründen nicht von den Gästen eingeheizt werden.
Küche: Induktionsherd, kleiner Backofen mit integrierter Mikrowelle, Nespressomaschine, Geschirrspüler vorhanden.
Badezimmer: 1 (Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und Toilette).
Waschmaschine: nicht vorhanden
Extras: Gerne dürfen Sie den Kunsthandwerker Adalbert Fässler im Erdgeschoss besuchen. Es könnte sein, dass Sie ihn zwischendurch hören.
lage
Lage
Am Fusse des Alpsteins liegt das Dorf Appenzell, Hauptort des Kantons Appenzell Innerrhoden. Bekannt für seine farbenfrohen Fassaden, die gelebten Traditionen und seine herzliche Atmosphäre, bildet es das kulturelle Zentrum der Region. In der weiteren Umgebung laden auch die Kulturstadt St. Gallen sowie der Bodensee zu Ausflügen ein.
Die Bleiche befindet sich am ruhigen Dorfrand, eingebettet in eine weite, grüne Wiese. Das Dorfzentrum, der Bahnhof, das Freibad und das Kunstmuseum sind in nur zehn Minuten zu Fuss bequem erreichbar.
Geschichte
Die Geschichte von Appenzell Innerrhoden ist geprägt vom Beitritt zur Eidgenossenschaft 1513, von der Trennung vom reformierten Teilkanton Appenzell Ausserrhoden im Jahr 1597 nach konfessionellen Konflikten und dem langen Bestehen der Landsgemeinde als politische Institution. Weitere wichtige Meilensteine waren die Helvetik unter französischer Herrschaft, die Einführung der ersten Kantonsverfassung 1814 und die Einführung des Frauenstimmrechts auf kantonaler Ebene 1990 nach einem Bundesgerichtsentscheid.
Ausflüge
Das nahegelegene Alpsteingebiet mit dem Säntis, der Schwägalp und seinen zahlreichen Bergseen verfügt über das dichteste Wanderwegenetz der Schweiz. Die Gipfel lassen sich auf vielfältige Weise erklimmen, sei es mit einer der vielen Luftseilbahnen oder auf anspruchsvollen Bergwanderungen.
Wer es gemütlicher mag, kann in den zahlreichen Alpkäsereien den berühmten Appenzeller Käse degustieren oder in der Brauerei Quöllfrisch bzw. in der Flauderei seinen Durst stillen. Bei den traditionellen Alpabzügen und Viehschauen im September und Oktober werden Trachten, Kunsthandwerk und Volksmusik auf authentische Weise gelebt und gepflegt.



