«Ein positives Signal setzen»

Mit dem Huberhaus in einem Weiler vor Bellwald im Kanton Wallis fing es an. Heute sind es rund dreissig Objekte, die über die Stiftung Ferien im Baudnekmal gemietet werden können. Mitinitiiert wurde sie vor zehn Jahren vom Stiftungsrat und ehemaligen Heimatschutzpräsidenten Caspar Hürlimann.

Marco Guetg, Journalist, Zürich

Herr Hürlimann, die Stiftung Ferien im Baudenkmal existiert seit nunmehr zehn Jahren. Sie waren von Anfang an dabei. Erzählen Sie uns bitte, wie es dazu kam.
Als neu gewählter Präsident des Schweizer Heimatschutzes skizzierte ich an der Delegiertenversammlung 1995 in Splügen meine Vorstellungen, wie ich den Heimatschutz leiten möchte. Am Schluss habe ich eine Idee in den Raum gesetzt und vorgeschlagen: Der Schweizer Heimatschutz sollte eine Organisation ins Leben rufen, die sich selbst für den Erhalt und die Nutzung historischer Gebäude in der Schweiz einsetzt. Inspiriert hatte mich der in England wirkende National Trust, der damals gerade sein 100-Jahr-Jubiläum feierte.

Ferien im Baudenkmal ist kein Schweizer Unikat?
In dieser Form schon. Der National Trust verwaltet nämlich nicht nur Häuser, sondern ganze Naturschutzgebiete, wie Pärke, Küstenstreifen etc. Er ist eine Kombination von Natur- und Heimatschutz.

Sie hatten die Idee, formulierten die Stiftungsurkunde, waren Gründungsmitglied und sitzen seither im Stiftungsrat. Ferien im Baudenkmal ist schon ein bisschen Ihr Kind …
… Ja – wobei dieses Kind von weiteren Vätern und Müttern grossgezogen worden ist! Meine Idee aus dem Jahr 1995 wurde nicht gleich umgesetzt, weil sich der Schweizer Heimatschutz vorerst noch mit anderen, dringlicheren Aufgaben zu befassen hatte. Sieben Jahre nach Lancierung der Idee griff der damalige Geschäftsführer Philipp Maurer meine Anregung wieder auf. Monika Suter von der Geschäftsstelle machte sich in England über den National Trust kundig und stiess dabei auf den Landmark Trust, der spezifisch das macht, was uns vorschwebte. Es folgten weitere Abklärungen mit einer Machbarkeitsstudie der Hochschule St. Gallen und im Rahmen eines Konzepts, das der Schweizer Heimatschutz selbst entwickelte. Gegründet wurde die Stiftung schliesslich im November 2005 von meinem Nachfolger Philippe Biéler und dem jetzigen Stiftungsratspräsidenten Severin Lenel.

Welches Ziel verfolgten Sie damals mit dieser Stiftung?
Es war mir ein Anliegen, den Schweizer Heimatschutz wieder in ein besseres, positiveres Licht zu stellen. Als langjähriges Mitglied des Zürcher Heimatschutzes musste ich erfahren, dass der Heimatschutz verhindernd und zu defensiv wirkt. Vor allem wegen der Handhabung des Verbandsbeschwerderechtes geriet er immer wieder ins Kreuzfeuer. Die Mitgliederzahl war im Schwinden. Mit dieser Stiftung sollte der Schweizer Heimatschutz ein positives Signal setzen und mit eigenen Mitteln zeigen, dass der Erhalt historischer Bausubstanz sinnvoll ist, ja sich lohnt.

Die Stiftung als Marketinginstrument?
Findet die Tätigkeit im Tourismusmarkt einen positiven Anklang, entfaltete sie für den Schweizer Heimatschutz eine vortreffliche Wirkung als Marketinginstrument. Es stehen wegen des Strukturwandels in der Landwirtschaft in den Bergen viele alte Häuser leer und drohen zu zerfallen. Durch ihren Erhalt erfüllen wir eine denkmalpflegerische Aufgabe und betreiben Wirtschaftsförderung. Wir befinden uns ja in der Zeit des Zweitwohnungsbooms. Die Stiftung schafft da ein Gegengewicht.

Wie ist die Stiftung eigentlich mit dem Heimatschutz verbandelt?
Der Schweizer Heimatschutz stellt die Mehrheit der Stiftungsräte. Er gibt uns in der Villa Patumbah «Wohnrecht» und unterstützt uns gezielt beim Kauf oder bei der Renovation einzelner Objekte. Unser Ziel ist es aber, unabhängiger vom Schweizer Heimatschutz zu werden. Das wird spätestens dann geschehen, wenn wir unseren Betrieb inklusive Abschreibungen selber finanzieren können.

Caspar Hürlimann im Haus Blumenhalde in Uerikon, welches ganzjährig für Ferien im Baudenkmal zur Verfügung steht

Warum wollen Sie unabhängig werden? Ist die Zusammenarbeit mit dem Heimatschutz schwierig?
Überhaupt nicht! Ziel ist es, den Schweizer Heimatschutz finanziell zu entlasten. Mindestens die ideelle Zusammenarbeit mit dem Schweizer Heimatschutz und die Herkunft werden bleiben, schliesslich ist Ferien im Baudenkmal sein Kind.

Wie finanziert die Stiftung ihre Objekte? Über das Stiftungskapital?
Das Anfangskapital der Stiftung betrug 100 000 Franken. Das reicht aber niemals für ihre Tätigkeit. Neben der Unterstützung durch den Schweizer Heimatschutz sind wir vor allem auf Spenden von Stiftungen, Organisationen und Privatpersonen sowie auf Beiträge der kantonalen Denkmalpflegen angewiesen.

Es gibt Häuser, die der Stiftung gehören, während andere lediglich zur Vermietung übernommen werden. Warum dieser Unterschied?
Das hängt mit unseren derzeitigen finanziellen Möglichkeiten zusammen. Unsere eigenen Mittel erlaubten es nur in einzelnen Fällen, Baudenkmäler zu erwerben oder im Baurecht zu übernehmen. Meistens werden uns Häuser angeboten, und wir haben dann abzuwägen, ob wir den Kaufpreis und die sorgfältige Renovation finanzieren können. Das war zum Beispiel beim ersten Objekt der Fall, dem Huberhaus in Bellwald. Andere wiederum – oft handelt es sich um bereits renovierte Häuser – wechseln den Besitzer nicht, sondern werden uns zur Vermietung überlassen. Das erlaubt der Stiftung, das Mietangebot rascher zu steigern. Ein Beispiel dafür ist die Blumenhalde in Uerikon am Zürichsee, das die Ritterhaus-Vereinigung Uerikon dank einer Schenkung erworben, renoviert und uns zur Vermietung überlassen hat. Inzwischen ist dieses wunderschön gelegene Haus mit Seeanstoss zu einem absoluten Hit des Angebots geworden.

Eben erst wurde das Türalihus in Valendas GR fertiggestellt, ein Haus mit einer bewegten Geschichte. Bei der Einweihung muss Ihre Genugtuung gross gewesen sein.
Das prachtvolle, barocke Türalihus konnten wir im Sommer 2007 zum Preis von rund 89 000 Franken erwerben, erwies sich aber als harter Brocken. Das Fundraising allein für die Aussenrenovation dauerte drei Jahre! Mit dem Innenausbau konnten wir erst 2012 beginnen und das Haus am 21. September 2014 im Rahmen eines Dorffestes feierlich eröffnen – mit Kosten von rund 2,7 Millionen Franken.

War dieser Ausbau ein fast zu grosser Brocken?
Jetzt, wo wir das Projekt ausgestanden und finanziert haben, ist die Antwort: Nein! Das Türalihus ist wohl das repräsentativste Objekt der Stiftung. Es hat aber während sieben Jahren viel Energie und Mittel gebunden. Die Stiftung wird sich wohl nicht so schnell wieder an ein solches Objekt heranwagen.

Inzwischen besitzt oder betreut die Stiftung dreissig Objekte. Dürfen es noch mehr werden?
Durchaus. Bei einem Angebot von schätzungsweise 50 Wohnungen und Häusern könnten wir unseren Betrieb selber finanzieren und auch Mittel für Ankäufe auf die Seite legen.

Ein Grundsatz der Stiftung lautet: Die Häuser werden nicht «übersaniert». Das heisst, dass der Gast gelegentlich auf das Angebot eines 08/15-Ferienhauses verzichten muss. Wird das vorbehaltlos akzeptiert?
Bis heute hatten wir in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten.

Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass Sie eine spezielle Klientel bedienen.
Ein grosser Teil unserer Gäste sind Mitglieder oder Sympathisanten des Heimatschutzes. Wir sind jetzt daran, den Kundenstamm zu erweitern – auch im Ausland. Deshalb arbeiten wir seit Kurzem mit der Agentur e-domizil zusammen. Sie hat im Auftrag den Bereich Vermietung übernommen. Über diese in ganz Europa vernetzte Agentur erhoffen wir uns neu u.a. auch Gäste aus dem Ausland.

Welches sind die Renner im Angebot?
Die Blumenhalde in Uerikon, aber auch Wohnungen in Sportgebieten, wie das Huberhaus in Bellwald und die Wohnungen in Scuol.

Sie sprachen davon, dass sich die Stiftung vom Heimatschutz emanzipieren sollte. Wie soll das geschehen?
Vor allem betrieblich und finanziell. Der ideelle Link zum Schweizer Heimatschutz ist statutarisch festgelegt und wird kaum geändert.

Könnten Sie sich auch vorstellen, neue Partnerschaften einzugehen?
Ja. Mit e-domizil haben wir einen Anfang gemacht. Vor allem im Finanzierungsbereich suchen wir nach Partnerschaften bei Organisationen, die in irgendeiner Form in den Bergen, bei der Wirtschaftsförderung oder im Tourismus tätig sind.

Was auffällt: Die Stiftung bewirtschaftet oder besitzt nur Objekte in ländlichen Gegenden.
Wir warten immer noch auf eine Patrizierin oder einen Patrizier ohne Nachkommen, die oder der uns an der Junkerngasse in Bern oder an der Rittergasse in Basel ein Objekt schenkt (lacht).

Kann jemand, der sein historisches Haus «loswerden» will, sich einfach bei der Stiftung melden?
Selbstverständlich! Aber er muss sich im Klaren sein: Mit dem Besitz eines geeigneten Objektes allein ist es noch nicht getan. Es müssen die Kriterien für die Eignung als Ferienwohnung erfüllt und die Finanzierung des Erwerbs und der eventuell notwendigen Renovation gesichert werden.

Sie leben im «Raihuus» in Stäfa und somit selber in einem historischen Haus. Könnten Sie sich vorstellen, in einem Objekt der Stiftung Ferien zu verbringen?
Warum nicht? Ich habe mir schon überlegt, eine Ferienwoche in der benachbarten Blumenhalde im nahen Uerikon direkt am Zürichsee zu buchen, sobald der Zuspruch etwas abflacht.

CASPAR HÜRLIMANN
Dr. Caspar Hürlimann lebt im «Raihuus» in Stäfa, einem 1798 erbauten Weinbauernhaus, das der Jurist 1977 erworben und renoviert und unter Schutz hat stellen lassen. Der 79-jährige Rechtsanwalt ist seit 1979 Mitglied des Zürcher Heimatschutzes. 1982 wurde er in dessen Vorstand gewählt, 1992 in den Geschäftsausschuss des Schweizer Heimatschutzes. Von 1995 bis 2005 war er Präsident des Schweizer Heimatschutzes. In seiner Präsidialzeit hat Caspar Hürlimann einige Akzente gesetzt – einen nachhaltigen mit der Idee im Sinne der Stiftung «Ferien im Baudenkmal». Sie wurde 2005 gegründet. Caspar Hürlimann ist seit Beginn Stiftungsrat.

30. April 2015