Eine bezaubernde Herbstwoche in Charmey

Text und Bild: Dominik Gehl

2020 ist ein besonderes Jahr für alle. Nach unserer Schweizer Tour im Juli waren wir bereit für einen weiteren kleinen Familienurlaub. Beim Stöbern im Internet stießen wir auf die Website der Stiftung Ferien im Baudenkmal. Die 2005 gegründete Stiftung ist ein Projekt, das Tourismus und Denkmalschutz verbindet. Die Stiftung setzt sich für den Erhalt historischer Gebäude in der ganzen Schweiz ein, indem sie ihnen nach einer sanften Restaurierung ein zweites Leben als Ferienwohnung ermöglicht.

Auf der Suche nach verfügbaren Baudenkmälern für unsere Ferientage fiel uns die Maison des Fées ins Auge, die erst kürzlich ins Angebot der Stiftung aufgenommen wurde. Das Baudenkmal sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern, da wir Charmey bereits von früheren Tagesausflügen in die Bains de la Gruyère oder an die jährlich stattfindende Désalpe (Alpabzug) kannten, ist es ein großartiger Ort, um eine Woche zu verbringen und die Gegend weiter zu erkunden – einschliesslich der herrlichen Herbstfarben!

Tag 1: Erkundung unseres Ferienhauses

Wir kamen kurz vor unserem Check-in in Charmey an, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Ein Supermarkt befindet sich bequem am Ortseingang, sogar in Gehdistanz zur Maison des Fées.

Im Baudenkmal angekommen, wurden wir von der Gästebetreuerin durch das Ferienhaus geführt und fühlten uns sofort wie zu Hause. Was für ein gemütlicher Ort! Das 1914 vom französischen Architekten Etienne Curny als Landhaus entworfene Haus wurde kürzlich renoviert, wobei alle historischen Details und das Aussehen erhalten blieben.

Der Holzofen war einsatzbereit und als Willkommensgeschenk wurden uns eine Cuchaule und Moutarde de Bénichon (Safranbrot mit Bénichon-Senf) angeboten, zwei regionale Delikatessen. Zusammen mit dem lokalen Käse und der Trockenwurst, die wir zuvor gekauft hatten, waren wir alle bereit für unseren ersten – von vielen – Apéros beim Ofen!

Im Dachboden des Hauses befindet sich das ehemalige Atelier der Künstlerin Hedi von Zelewsky. Die Künstlerin lebte 20 Jahre lang in der Maison des Fées und ihr Atelier ist weitgehend unverändert geblieben. Einige ihrer Werke sind sogar im Haus ausgestellt.

Tag 2: Erforschung von Charmey

Der Himmel am Sonntagmorgen war schwer mit Wolken behangen. Trotzdem beschlossen wir, einen kurzen Spaziergang ins Dorf zu unternehmen. Die Herbstfarben waren überwältigend und schlussendlich machten wir eine schöne Tour durch das Dorf und durch einige Felder, unter der Seilbahn hindurch und zurück nach Hause.

Am Nachmittag unternahm ich einen schönen 10 km langen Trailrun um den Lac de Montsalvens.

Tag 3: Wanderung in Charmey

Die Sonne kam heraus und wir machten einen kurzen Spaziergang in der Nähe der Maison des Fées in Richtung der Hängebrücke von Charmey, die ich am Tag zuvor auf meinem Lauf entdeckt hatte. Der kurze Spaziergang im Wald, die Farben der Bäume, die frische Luft und der Blick auf den Lac de Montsalvens machten diesen zu einem wunderschönen Ausflug.

Bei dem Lac de Montsalvens handelt es sich um einen 1920 erbauten künstlichen See, an dessen Ende sich die Staustufe de Montsalvens befindet, der erste Staudamm Europas mit doppelter Bogenstaumauer. Zum Staudamm führt übrigens eine weitere Wanderung über den spektakulären Jaunbachschlucht – die «Gorges de la Jonge».

Nach dem Mittagessen fuhren wir mit der Seilbahn bis zur Mittelstation, wo die Kinder in der Charmey Aventures klettern konnten. Anschliessend ging es weiter auf den Gipfel für die kurze Wanderung zum Panorama de Vounetse. Abgesehen von etwas Schlamm zu Beginn der Wanderung, aufgrund des Regens vom Vortag, war sie recht einfach und die Aussicht wunderschön.

Tag 4: Gastlosen

Für heute hatten wir uns die Tour der Gastlosen vorgenommen. Die Tour ist 11 km lang und schlängelt sich auf und ab, um die Berge, durch Weiden, Wälder und felsige Gebiete.

Beginnen Sie die Wanderung an der Bergstation des Sessellifts Gastlosen-Express in Richtung Soldatenhaus. Das Soldatenhaus ist gut positioniert für eine Verschnaufpause, bevor es die letzten Meter durch die Felsblöcke hinaufgeht, um von der Nordwand der Gastlosen zur Südwand zu gelangen, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Walliser Berge hat. Die Gastlosen sind bei Kletterern sehr beliebt und wir haben mehrere von ihnen in den senkrechten Wänden beobachten können.

Tag 5: Architektur-Hunting

Da ich immer auf der Suche nach interessanter Architektur bin, hatte ich natürlich eine kurze Liste von Gebäuden vorbereitet, die ich sehen wollte. Auf der Hinfahrt und während unseren Wanderungen in der Region habe ich dann noch einige mehr entdeckt.

Die Grundschule vom Charmey
Die Schule wurde ursprünglich in den 1950er Jahren gebaut und 2018 von O Charriere Architectes SA renoviert und erweitert.

CO Riaz
Diese Schule wurde von Graeme Mann & Patricia Capua Mann entworfen und zwischen 2014 und 2018 gebaut.

Das Verwaltungsgebäude von Epagny
Das dreistöckige Verwaltungsgebäude mit seiner charakteristischen Form wurde von Archilab entworfen und 2016 fertiggestellt.

Die Chartreuse de La Valsainte
La Valsainte wurde 1295 gegründet und ist das letzte noch aktive Kartäuserkloster der Schweiz. Im Mittelpunkt des Kartäuserlebens steht die Kontemplation mit Betonung auf Einsamkeit und Stille. Jeder Kartäusermönch lebt wie ein Einsiedler in seiner eigene Zelle, ähnlich einem kleinen Haus, mit einem hohen ummauerten Garten. Er verbringt den größten Teil seines Tages in der Zelle mit studieren, meditieren und beten und verlässt sie in der Regel nur für drei Gebetsgottesdienste in der Klosterkapelle um 7 Uhr, um 15.30 Uhr und um 23.30 bis 2 Uhr morgens sowie für eine wöchentliche Wanderung.

Das Chateau de Gruyères
Die Geschichte des Schlosses Gruyères reicht bis ins Jahr 1270 zurück. Es wurde 1938 in ein Museum umgewandelt und ist ein Schweizer Kulturerbe von nationaler Bedeutung.

Tag 6: Schwarzsee

Nach etwa einer Stunde Fahrt von Charmey aus, kamen wir in Schwarzsee an, um ein hübsches Dorf, eine Skistation und einen atemberaubenden See zu entdecken. Das Licht war perfekt und die umliegenden Berge spiegelten sich im ruhigen See. Was für eine schöne Überraschung! Wir beschlossen, den 4 km langen Häxewääg-Pfad zu wandern. Eine leichte Wanderung mit einer herrlichen Aussicht entlang des Weges. Wir waren bezaubert von den wechselnden Stimmungen des Sees, dem Drachen im Berg und dem majestätischen Wasserfall, der sich im Wald versteckt.

Auf dem Rückweg begann es zu regnen …

Tag 7: Regentag – Museumstag

Da der Regen vom Vortag immer noch nicht aufgehört hatte, beschlossen wir die Gelegenheit zu nutzen, um einige Museen in der malerischen Stadt Gruyères, der Heimat des berühmten Käses, zu besuchen. Kleiner Tipp: verpassen Sie auf keinen Fall das regionale Dessert Meringue mit Crème Double – oder auch Baiser mit Doppelrahm genannt!

Das Schloss Gruyères
Das Museum im Inneren der mittelalterlichen Burg ermöglicht eine Zeitreise in die Vergangenheit und die Entdeckung von Schätzen aus dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Sehenswert sind auch seine Gärten und die Aussicht von den Türmen.

HR Giger-Museum
Die Werke des bekannten Schweizer Künstlers Hans Ruedi Giger sind im Museum im Schloss Saint-Germain in Greyerz untergebracht.

Hans Ruedi Giger wurde 1940 in Chur geboren. Für die Mitarbeit am Film „Alien“ gewann er 1980 den Oscar für die beste Leistung im Bereich visuelle Effekte. Er ist bekannt für seinen biomechanischen Stil, der menschliche Körper und Maschinen in vernetzten Beziehungen darstellt. Er schuf Kunstwerke für mehrere Musikalben und inspirierte Tätowierer.

Tag 8: Heimreise

Nach einer so erholsamen Woche in den herbstlichen Farben von Charmey war die Zeit gekommen, wieder nach Hause zu fahren. Glücklicherweise folgten uns die Farben nach Hause und gewährten uns einen herrlichen Blick auf die sonnengelben Rebberge von Lavaux.

Dominik Gehl lebt in Lausanne und arbeitet als Software-Ingenieur. Zu seinen Hobbys gehören das Reisen und Fotografieren. Auf Instagram postet er täglich unter @dominikgehl.

2. November 2020