Palazzo Glaser/Kunz

, Poschiavo GR

In der turbulenten Zeit der Französischen Revolution wurde der Palazzo im Jahr 1793 als erstes Zuckerbäckerhaus in Poschiavo erbaut.

Verfügbarkeit

Der Palazzo Glaser/Kunz kann über folgende Website gebucht werden https://glaserkunz.net/palazzo.
Gutscheine von Ferien im Baudenkmal können in diesem Baudenkmal nicht eingelöst werden. Der Mitgliederrabatt ist gültig.
Unterstützen

BESCHREIBUNG UND GESCHICHTE

Um 1550, der Zeit der Gegenreformation, wurden in Poschiavo mit der ersten Druckerpresse Graubündens freiheitliche Manifeste sowie reformatorische Schriften für Norditalien gedruckt. Vermutlich nur wenig später wanderten Mitglieder der Familie Mini aus der Gegend von Venetien ins Puschlav ein. Doch die Möglichkeiten für ein Auskommen im Tal waren beschränkt, weshalb es Giacomo Mini bald in den Norden zog. In Warschau gründete er 1775 eine der ersten Konditoreien der Stadt. Die erfolgreiche Tätigkeit im Ausland erlaubte es ihm und seiner Ehefrau Domenica Cortesi 1793 den Palazzo Mini-Cortesi in Poschiavo zu erbauen, die heutige Casa Glaser/Kunz. Es ist das erste von vielen herrschaftlichen Häusern, die in dem sogenannten „Spaniolenviertel“ von Poschiavo, von den mehrheitlich aus Spanien, Portugal und England zurückkehrenden Zuckerbäckerfamilien erbaut wurden.

Wenig später gründete der Unternehmer und Freigeist Giacomo Mini 1802 in Kopenhagen ein weiteres Kaffeehaus, in dem bald dänische Literaten und Intellektuelle verkehrten. Es war die Zeit nach der Französischen Revolution, Modernisierungen in Europa im Sinne der Aufklärung waren überall in Gang, der Drang nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität beschäftigte nicht nur die Freimaurerbewegung. In dieser Zeit verbreiteten die Bündner Zuckerbäcker im Norden Europas die Kaffeehauskultur. Sie verführten ihre Kundschaft nicht nur mit Torten aus Buttercrème und gutem Kaffee, sondern boten den Gästen auch eine kultivierte Umgebung inmitten wichtiger Städte an, in der die jungen Leute die Tageszeitungen lesen und sich über das Zeitgeschehen austauschen konnten.

Ihr Nachwuchs absolvierte eine Lehre in der Backstube, führte die familieneigenen Kaffeehäuser weiter und kehrte in späteren Lebensjahren, vermögend geworden, zurück in die Bündner Heimat, wo sie die ersten Banken gründeten, Hotels bauten und Schulen eröffneten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrieben die Minis in Kooperation mit anderen Puschlaver Cafetiers gegen sechzig Kaffeeshäuser in Spanien unter dem Namen Café „Suizo“. Die Kaffeehauskette war legendär, ihre Erzeugnisse waren kulinarische Höhepunkte unter anderem bei Festmählern des Königs Alfonso XIII. Auch Ernest Hemingway war gelegentlicher Gast im Café Suizo in Pamplona; er lässt seine Romanfiguren in „Fiesta“ im Schweizer Kaffeehaus ein und ausgehen. In den Wirren des Ersten Weltkriegs verschwanden die meisten Kaffeehäuser der legendären Bündner Zuckerbäcker. Die Familien

2017 erwarb das Schweizer Künstlerpaar Glaser/Kunz den Palazzo und restaurierte das Haus über drei Jahre hinweg. Das historische Haus ist für sie ein wichtiger Inspirations- und Ausstellungsort. Gleichzeitig machen sie die jahrhundertealte Baukultur für Kunst- und Kulturliebhaber als Ferienhaus zugänglich.

Bild
1
Bild
2
  1. Ein dämonisches Fratzengesicht (Gorgoneion) mit herausgestreckter Zunge, als Unheil abwehrende magische Schutz- und Schreckgestalt (Wilder Mann) an der Decke gegenüber dem Eingang.
  2. Cafetiers und ihre Gäste posieren.

BAUKULTURELLE BESONDERHEITEN

Der Palazzo Glaser/Kunz, ehemals Mini-Cortesi, ist mit Baujahr 1793 das älteste Zuckerbäckerhaus Poschiavos. Es wurde von seinem Architekten als Gesamtkonzept entworfen und mit ortsansässigen Bauleuten umgesetzt. Ausserordentlich an diesem städtisch konzipierten Palazzo im Alpenraum ist, dass er in der Zeit der französischen Revolution entstand und die Erbauer sich als Avantgarde der Gesellschaft in Szene zu setzen wussten: Der Palazzo ist mit Insignien von Kunst, Reformgeist, Natur und Machtbewusstsein geschmückt. Die reich verzierten Darstellungen in Form von Stuckaturen an der Süd- und Ostfassade sind von höchster Qualität. Der eindrucksvolle Palazzo verweist auf eine fortschrittliche Bürgerfamilie mit Bildung und Stil.

Die Böden in Eingangsbereich, Korridor und Küche sind grossflächige, dunkelgrüne Puschlaver Serpentinsteinplatten, die Stüa weist Tafelparkett auf, in den meisten übrigen Wohnräumen findet man über 200-jähriges Parkett. Die Stuckaturen im Eingangsbereich, in den Korridoren und um viele der Zimmertüren sind von grosser Schönheit und tragen die Handschrift des Barocchettos. Im Erdgeschoss befinden sich nebst dem Garderobenraum die Ausstellungsräume, in denen Werke von Glaser/Kunz zu sehen sind. Im Halbgeschoss zum ersten Obergeschoss befindet sich der Ausgang zum nördlichen Hof mit dem ehemaligen Waschhaus. Der Hof wurde 2019 neu mit Ciottoli ausgelegt, entsprechend dem teilweisen noch vorhandenen, ursprünglichen Belag.

Im ersten Obergeschoss befindet sich die Stüa, das Esszimmer mit einem über 100-jährigen Kachelofen, rechts davon befindet sich die Bibliothek. Ostseitig sind die beiden Küchenräume gelegen, eine antike Küche mit Holzofen und Steintrog sowie die alte Küche mit Elektroherd aus den 50er Jahren. Ebenfalls im ersten Stock befindet sich im nord-westlichen Teil des Palazzos ein Tapetenzimmer aus der Epoche des Jugendstils, welches mit einem grossen historischen Doppelbett ausgestattet ist. Im zweiten Obergeschoss gelangt man über das obere Balkonzimmer und die Ankleide in ein grosszügiges Bad. Die Füsschenbadewanne steht mitten im Raum, daneben befindet sich ein antikes Doppellavabo. Eine exquisit verzierte, antike Toilette mit Holzspülkasten sowie ein gusseiserner Radiator mit Wärmefach runden den Baderaum ab. Im Nordwesten liegt ein weiteres Doppel-Schlafzimmer mit historischen Betten.

Bild
1
Bild
2
  1. Verzierung der Hausfassade. Eines der zentralen barocken Vanitas-Symbole sind Musikinstrumente und Noten.
  2. Antiker Steintrog in der Küche im ersten Obergeschoss.

INFORMATIONEN ZUM FERIENHAUS

Der geräumige Palazzo befindet sich mitten im Borogo von Poschiavo und bietet auf drei Etagen viel Wohnraum. Das Baudenkmal wurde nach mehr als hundert Jahren, von 2017-2020, sorgfältig und mit grossem Wert auf Details restauriert. So präsentiert sich das Haus heute in seinem beinahe vollständigen Originalzustand. Der Luxus früherer Zeiten wurde authentisch bewahrt.

Südlich des Palazzos befindet sich der Gemüsegarten und der knapp zehn Aaren grosse Obstgarten mit Brunnen, in dem es sich bei warmem Wetter gut Lesen, Philosophieren, Spielen, Essen und Trinken lässt. Gartentische sowie Bänke und Stühle sind vorhanden. Ein zum Haus gehörender Parkplatz befindet sich in nächster Nähe.

Der Palazzo Glaser/Kunz ist ein historisches Haus, ein Baudenkmal. Obwohl im Übrigen technisch zeitgemäss ausgestattet, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass gewisse funktionelle Details wie Fenster- und Türöffner, Treppenhandläufe und Stufenhöhen nicht der gängigen Norm entsprechen und eine eventuelle Gefahrenquelle bergen können.

Personen: 6 Erwachsene und 2 Kinder

Zimmer: 3 Doppelzimmer und zwei historische Kinderbetten

Saison: Ganzjährig

Kurzferien: keine Kurzferien möglich

Höhe: 1014 m ü. M.

Haustiere: nicht erlaubt

ÖV: mit der SBB nach Landquart, umsteigen nach Samedan, umsteigen (Zug oder Bus) nach Poschiavo.

Parkplatz: privater Parkplatz

Aussenbereich: Garten, Balkon, Sitzplatz im Hinterhof

WLAN: vorhanden

Heizung: Zentralheizung mit Wärmepumpe. Nebst den historischen gusseisernen Heizkörpern, stehen in den Gästeschlafräumen zusätzliche Elektroheizkörper.

Ofen / Cheminée: Kachelöfen in Stüa und Biblioteca, Holzherd in Küche, Cheminée im alten Waschhaus

Küche: Kaffeemaschine, Fondue-Set vorhanden, kein Geschirrspüler

Extras: Im Erdgeschoss befinden sich nebst dem Garderobenraum die Ausstellungsräume, in denen Werke von Glaser/Kunz zu sehen sind.
Die Böden bestehen aus Holz und Stein, weshalb wir gute Hausschuhe empfehlen.

LAGE

Via dal Ginasi 7, 7742 Poschiavo

Lage

Poschiavo liegt rund 15 Kilometer südlich des Berninapasses, der das Engadin mit dem Veltlin verbindet. Das Gemeindegebiet umfasst das obere Puschlav samt Seitentälern und erstreckt sich von der Wasserscheide im Norden des Tales, welche unter anderem durch die Berninagruppe und die Forcola di Livigno gebildet wird, bis zum südlichen Ende des Lago di Poschiavo (deutsch: Puschlaversee) auf 962 m.

Geschichte

Poschiavo bildet mit der Nachbargemeinde Brusio die Talschaft Puschlav und die Region Bernina. Das Städtchen mit mediterranem Flair wurde 824 erstmals urkundlich erwähnt. 1547 bildete sich die protestantische Gemeinde aus italienischen Flüchtlingen. Zeitgleich wurden in Poschiavo, wo sich die erste Druckerei Graubündens befand, reformatorische Texte und Statuten gedruckt. Die Region war lange geprägt vom Passverkehr und der Landwirtschaft. Mit dem Bau der Berninabahn (Unseco-Welterbe), den Wasserkraftwerken und der Öffnung des Passes für den Winterverkehr in den 80er Jahren, wurde das Tal aus seiner Abgeschiedenheit befreit. Die wirtschaftliche Struktur ist durch eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Handwerks-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe gekennzeichnet, die praktisch alle Bereiche des täglichen Lebens abdecken. Der Tourismus konnte sich als wichtiger Wirtschaftszweig entwickeln.

Ausflüge

Das Valposchiavo hat seine Bekanntheit nicht nur seinen kulinarischen Genüssen sondern auch der Rhätischen Bahn zu verdanken, die sich wie ein roter Faden durch die Region schlängelt. Der Lag da Saoseo ist ein vielfotografiertes Sujet und beliebtes Ausflugsziel im Sommer. In Cavaglia befinden sich beeindruckende Gletschermühlen, die sogenannten “Töpfe der Riesen”. Bei geführten Dorfrundgängen durch enge Gassen und schöne Dorfplätze können Sie in die Geschichte der Region eintauchen. Ausflüge lohnen sich auch auf die Alp San Romeiro sowie ins benachbarte Val di Campo (IT). Skifahrer kommen auf der schneesicheren Diavolezza (2978 m ü. M.) auch in der Nebensaison voll auf ihre Kosten.

Erleben