Eine Reise zu den Ursprüngen der Schweiz – Stiftung Ferien im Baudenkmal

Eine Reise zu den Ursprüngen der Schweiz

Text und Bilder: Dominik Gehl

Die Region Zentralschweiz umfasst die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug. Sie ist die Wiege der Schweiz, wo 1291 der Bundesbrief, ein Vertrag zur gegenseitigen Unterstützung und zur Beilegung von Streitigkeiten, zwischen Uri, Schwyz und Unterwalden unterzeichnet wurde. Diese Kantone waren auch am Sonderbundskrieg beteiligt, einem Schweizer Bürgerkrieg, der im November 1847 mit einem Sieg der fortschrittlichen Bundestruppen endete und mit der Bundesverfassung von 1848 zum modernen Bundesstaat führte. Hier gibt es also jede Menge Geschichte zu entdecken!

Wir besuchten diese Region während einer Woche und wohnten in zwei charmanten historischen Häusern, die über die Stiftung Ferien im Baudenkmal gemietet werden können.

Tag 1: Ankunft in der Zentralschweiz

Unser erstes Ferienhaus befand sich in Unterschächen im Kanton Uri. Auf dem Weg von Lausanne machten wir einen Zwischenstopp im Reussdelta, am Ufer des Vierwaldstättersees.

Reussdelta

Das Reussdelta ist ein Natur- und Erholungsgebiet, das sich am Südufer des Urnersees, einem Teil des über 100 Quadratkilometer grossen Vierwaldstättersees, zwischen den Dörfern Flüelen und Seedorf erstreckt. Das von der Reuss gebildete Delta, das vom Gotthardmassiv in den See mündet (und in Luzern den See wieder verlässt), wird seiner natürlichen Dynamik überlassen, ist von Schilfgürteln gesäumt und weist ausgedehnte Flachwasserzonen auf. Nebst den Naturschutzgebieten gibt es Wander- und Bikewege, Badestrände und Spielplätze.

Der 11 Meter hohe Naturbeobachtungsturm Reussdelta wurde vom Bündner Architekten Gion A. Caminada entworfen und 2012 von einheimischen Handwerkern und Lehrlingen gebaut. Er besteht aus 48 Weisstannenstämmen, die in vier Gruppen zu je 12 Stämmen gruppiert sind. Die vier Beobachtungskörbe sind über eine Wendeltreppe mit 39 Stufen erreichbar. Das Geländer besteht aus Weidenruten, die um 20 vertikale Stahlstangen geflochten sind.

Nach einem Picknick und etwas Zeit zur Vogelbeobachtung setzten wir unseren Weg fort und folgten dem Fluss Schächen ins Schächental, dem Tal, in dem Wilhelm Tell laut dem Schweizer Historiker Aegidius Tschudi im 16. Jahrhundert geboren wurde.

Stüssihofstatt

Die Stüssihofstatt in Unterschächen (UR) wurde im Jahr 1450, also vor fast 600 Jahren, erbaut. Im Lauf der Jahrhunderte wurde sie von Bauernfamilien bewohnt und hat sich in ihrer ursprünglichen Struktur kaum verändert.

Nach dem Auszug der letzten Bewohner im Jahr 2010 wurde die Stüssihofstatt nach den Plänen des Architekten Hanspeter Odermatt sanft renoviert und ist heute ein Ferienhaus mit moderner Küche und sanitären Anlagen.

Die Küche im Zentrum des Hauses ist in voller Höhe offen, sodass man das schöne alte Holz sehen kann. Zwei Treppen führen auf beiden Seiten des Hauses in den oberen Stock zu den Schlafzimmern hinauf.

Das Haus wird mit einem holzbefeuerten Specksteinofen beheizt, der gleichzeitig auch das Wasser erwärmt. Wir waren überrascht, wie viel Wärme der Ofen über Nacht gespeichert hat, die Steine waren immer noch warm, als wir am Morgen aufgewacht sind.

Wir liebten die fröhliche hellgrüne Farbe des Wohn- und Esszimmers und verbrachten viel Zeit im gemütlichen Wohnbereich, um die Morgensonne zu genießen oder abends Spiele zu spielen.

Direkt neben dem Haus konnten wir kurze Spaziergänge entlang des Flusses machen und hatten dabei eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Berge.

Tag 2: Die Ursprünge der Schweiz: Schwyz und Andermatt

Unser zweiter Tag stand ganz im Zeichen der Ursprünge der Schweiz und wo könnte man das besser entdecken als in der Stadt Schwyz mit dem Bundesbriefmuseum und dem Forum Schweizer Geschichte?

Bundesbriefmuseum

Das Bundesbriefmuseum beherbergt das Gründungsdokument der Schweizerischen Eidgenossenschaft, den Bundesbrief von 1291. Das Gebäude wurde vom Schweizer Architekten Josef Beeler entworfen und 1936 eingeweiht.

Neben vielen historischen Dokumenten finden sich hier auch Kunstwerke, wie das „Fundamentum“ von Heinrich Danioth an der Hauptfassade, „Der Bundesschwur auf dem Rütli“ von Walter Clénin im oberen Ausstellungsraum und „Bruder Klaus“ von Maurice Barraud im unteren Ausstellungsraum.

Das Pergament der Bundesurkunde von 1291 misst 30 cm x 20 cm und enthält 17 Zeilen in lateinischer Sprache. Es wurde 1724 im Kantonsarchiv Schwyz entdeckt und da es als Unterzeichnungsdatum den „Anfang August“ angibt, wird der Schweizer Nationalfeiertag seit der 600-Jahr-Feier 1891 am 1. August begangen. Das Museum zeigt auch eine interessante Geschichte der Schweizer Fahnen. Vom Bundesbriefmuseum sind es nur 5 Minuten zu Fuss zum Forum Schweizer Geschichte.

Forum Schweizer Geschichte

Das Forum Schweizer Geschichte in Schwyz wurde 1995 eingeweiht und bildet zusammen mit dem Landesmuseum Zürich und dem Château de Prangins am Genfersee das Schweizerische Landesmuseum. Es ist in einem barocken Kornspeicher und Zeughaus aus dem Jahr 1711 untergebracht.

Bei der Renovierung zwischen 1992 und 1994 nach Plänen von Andi Scheitlin, Marc Syfrig und Hans Steiner wurde in der Mitte des Gebäudes ein Wendeltreppenturm angebaut.

Die drei oberen Stockwerke werden für die Dauerausstellung „Die Schweiz im Wandel“ genutzt, das untere Stockwerk für Wechselausstellungen. Die aktuelle Wechselausstellung heisst „Die Alpen in der Sage“ und erklärt unter anderem die Sage von der „Teufelsbrücke“ bei Andermatt. Der Sage nach standen die Urner im Mittelalter vor der Schwierigkeit, eine Brücke über die Reuss oberhalb von Göschenen zu bauen, um die Überquerung des Gotthardpasses zu erleichtern. Der Teufel erschien und bot an, die Brücke zu bauen, wenn er die erste Seele bekäme, die sie überquert. Er baute die Brücke in 3 Tagen, aber die Urner schickten eine Ziege über die Brücke. Der Teufel versuchte daraufhin, die Brücke mit einem Stein zu zerstören, der in der Nähe gefunden wurde, aber eine ältere Frau ritzte ein Kreuz in den Stein, so dass der Teufel die Brücke verfehlte.

Sowohl der Teufelsstein als auch die Brücke sind heute noch bei der Teufelsbrücke auf dem Weg nach Andermatt, der nächsten Station unseres Tages, zu sehen.

Teufelsbrücke

Kurz vor der Ankunft in Andermatt hat man einen tollen Blick auf die Teufelsbrücke und die neue Eisenbahnbrücke.

Andermatt selbst ist ein Bergdorf auf einer Höhe von 1400 m über dem Meeresspiegel. Es liegt an einer wichtigen Kreuzung von Bergpässen, die sowohl von Norden nach Süden als auch von Osten nach Westen führen. Der Oberalppass ist die Verbindung zu Graubünden, der Furkapass führt ins Wallis und der St. Gotthardpass ins Tessin. Andermatt blühte wirtschaftlich auf, als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der St. Gotthard-Pass für Postkutschen erschlossen wurde. Mit der Eröffnung des ersten St.-Gotthard-Tunnels im Jahr 1881 währte die Blütezeit jedoch nicht lange, denn der Tunnel verläuft etwas tiefer zwischen Göschenen und Airolo im Tessin und umgeht das Dorf völlig.

Ein Spaziergang durch das Dorf vermittelte uns einen Eindruck davon, was für ein großartiges Skidorf es auf dem Höhepunkt der Wintersaison sein muss!

Pfarrkirche St. Peter und Paul

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Andermatt wurde zwischen 1601 und 1602 nach Plänen von Johannes Schmid erbaut. Ende des 17. Jahrhunderts entwarf der einheimische Architekt Bartholomäus Schmid die Pläne für die Erweiterung im Barockstil. Der Hauptaltar ist ein Werk des berühmten Walliser Bildhauers Johannes Ritz und wurde 1716 vollendet.

In jüngster Zeit wurden in Andermatt neue Entwicklungsprojekte in Angriff genommen, die den Ort zu einem grossen Ferienort ausbauen sollen. Eines davon ist das neue Konzerthaus Andermatt.

Konzertsaal Andermatt

Der Konzertsaal Andermatt wurde von Studio Seilern Architects entworfen und 2019 fertiggestellt. Das Projekt verwandelte einen bestehenden unterirdischen Raum, der für Kongresse gedacht war, in einen Konzertsaal mit einer Gesamtkapazität von über 600 Zuschauern und einem 75-köpfigen Sinfonieorchester.

Tag 3: Architektur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

An unserem dritten Tag wollten wir das Verkehrshaus der Schweiz besuchen, das etwas ausserhalb des Stadtzentrums von Luzern liegt. Auf unserem Weg von Uri über Schwyz nach Luzern auf der Ostseite des Vierwaldstättersees hielten wir an zwei Kirchen aus dem 20. Jahrhundert. Obwohl sie aus der gleichen Zeit stammen, sind sie doch sehr unterschiedlich.

Piuskirche

Die Piuskirche in Meggen wurde zwischen 1964 und 1966 nach Plänen von Franz Füeg erbaut. Der 13 Meter hohe, kubische Bau hat keine Fenster – die Aussenwände zwischen den Stahlträgern bestehen aus 888 Platten aus 28 mm dickem, durchscheinendem, griechischem Marmor. Während das Gebäude von außen fast weiß erscheint, weist der Marmor von innen satte Gelb- und Orangetöne auf.

Johanneskirche

Die Johanneskirche im Luzerner Stadtteil Würzenbach wurde von Walter Maria Förderer entworfen und zwischen 1967 und 1970 erbaut. Wie viele der Kirchen von Walter Maria Förderer besteht sie aus Sichtbeton und vermittelt den Eindruck einer Skulptur aus Beton. Die Kirche wurde im Jahr 2001 unter der Leitung von Hans Cometti und Arthur Welti renoviert.

Verkehrsmuseum

Das Verkehrshaus der Schweiz wurde zwischen 1957 und 1959 am Ufer des Vierwaldstättersees erbaut. Es ist das meistbesuchte Museum der Schweiz und zeigt Exponate aus fünf Bereichen des Verkehrs: Luftverkehr, Züge, Autos, Schiffe und Seilbahnen. Hier kann man leicht einen ganzen Tag verbringen, da viele der Exponate interaktiv sind.

Wir verbrachten die meiste Zeit in der Luft- und Raumfahrtausstellung. Dieser Teil des Museums wurde am 1. Juli 1972 im Beisein der Astronauten John Glenn und Neil Armstrong eröffnet und beherbergt heute Exponate wie die Red Bull Stratos-Kapsel, den 1992 ins All geschossenen Eureca-Satelliten und das Experiment zur Zusammensetzung des Sonnenwindes, das während Apollo 11 auf dem Mond eingesetzt wurde.

Die Gebäude des Museums wurden seit seiner Eröffnung mehrfach erweitert. Eines der jüngsten Gebäude ist die von Gigon/Guyer entworfene und zwischen 2005 und 2009 errichtete Straßenverkehrshalle. Seine Fassade ist vollständig von 344 Verkehrsschildern bedeckt.

Hans Erni Museum

Hans Erni war ein Schweizer Maler und Grafiker, der von 1909 bis 2015 lebte. Das Hans Erni Museum in Luzern wurde 1979 in einem sechseckigen Gebäude eröffnet, das vom Architekten Jean-Marie Ellenberger entworfen wurde. Auf Wunsch von Hans Erni befindet sich das Museum auf dem Gelände des Verkehrshauses, um das Interesse der Besucher an Wissenschaft, Technik und Fortschritt zu wecken, aber auch um ein Gegengewicht zu der Präsentation dieser Themen im Verkehrshaus zu schaffen.

Tag 4: Architektur des 19. Jahrhunderts

Es war an der Zeit, sich von der Stüssihostatt zu verabschieden und zu unserer zweiten Ferienwohnung zu fahren. Auf dem Weg zum Alten Pächterhaus in Heiligkreuz (LU) hielten wir in Luzern. Mit über 80’000 Einwohnern ist Luzern die bevölkerungsreichste Stadt der Zentralschweiz. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sie sich zu einem Zentrum des modernen Tourismus und zu einem beliebten Ziel für Künstler und Könige entwickelt: Der deutsche Komponist Richard Wagner lebte von 1866 bis 1872 in Luzern, die englische Königin Victoria besuchte die Stadt 1868 und der amerikanische Schriftsteller Marc Twain 1878 und 1897. Wir begannen unsere Erkundung mit einigen der Museen und Attraktionen, die auch diese frühen Besucher erlebt haben könnten.

Gletschergarten

Der Luzerner Gletschergarten wurde 1873 eröffnet, nachdem Josef Wilhelm Amrein-Troller bei Bauarbeiten im Jahr 1872 Gletschertöpfe entdeckt hatte. Die Gletschertöpfe stammen aus der letzten Eiszeit vor 20’000 Jahren, als Luzern von 800 m dickem Eis bedeckt war.

Zu den Attraktionen des Gletschergartens gehört auch das Spiegellabyrinth, das ursprünglich für die Landesausstellung in Genf 1896 gebaut und 1899 im Gletschergarten installiert wurde.

Die neue Felsenwelt wurde von Miller & Maranta entworfen und im Jahr 2021 eröffnet.

Bourbaki-Panorama

Das Bourbaki-Panorama ist ein Rundgemälde, das die Internierung von mehr als 60’000 Männern der französischen Armee am Ende des französisch-preußischen Krieges zeigt. Es wurde 1876 von Edouard Castres gemalt, der sich während des Krieges freiwillig als medizinischer Assistent gemeldet hatte. Er hatte die Hilfe von 10 Assistenten, darunter Ferdinand Hodler. Nachdem das 14 m hohe und 114 m lange Gemälde in Genf gezeigt worden war, verlegte Benjamin Henneberg es 1889 nach Luzern.

Aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch Kinos verkaufte Benjamin Henneberg das Gebäude und das Gemälde an die Luzerner Firma Koch & Söhne, die darin das erste mechanische Parkhaus Europas installierte. Mit Hilfe einer Drehscheibe (die auch heute noch funktioniert) wurde die fast runde Form des Gebäudes optimal ausgenutzt, indem nur ein einziger freier Platz benötigt wurde, um an jedes geparkte Auto heranzukommen. Leider wurde das Gemälde in dieser Zeit in der Höhe beschnitten, sodass ein Teil des ursprünglichen Himmels fehlt und wir heute nur noch die unteren 10 m sehen können. Zwischen 1996 und 2000 wurde das Gebäude nach Plänen von Werner Kreis und Ulrich und Peter Schaad vollständig umgebaut und beherbergt heute unter anderem das Gemälde, ein Kino und die Bibliothek der Stadt Luzern.

Kapellbrücke

Natürlich spazierten wir auch über die Kapellbrücke, Luzerns berühmte Brücke, die ursprünglich im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Sie ist die älteste erhaltene Fachwerkbrücke der Welt und die älteste gedeckte Holzbrücke Europas. Ein Brand im Jahr 1993 zerstörte leider einen großen Teil der 200 m langen Brücke sowie einige der darin enthaltenen Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, doch wurde sie seitdem glücklicherweise restauriert.

Mit vielen Restaurants, Cafés und Eisdielen am Flussufer war die Promenade an der Reuss der perfekte Ort, um sich zu entspannen und etwas frische Luft und Sonne zu tanken.

Altes Pächterhaus

Das Alte Pächterhaus in Heiligkreuz (LU) wurde zwischen 1843 und 1845 erbaut. Es befindet sich in der Biosphäre Entlebuch auf einer Höhe von 1130 m über Meer, 400 m über dem Dorf Hasle. Das Gebäude verfügt über zwei Vollgeschosse sowie zwei Geschosse im Dachvorsprung und eine an der Ostseite angebaute Scheune. Seine Fassade ist mit Holzschindeln verkleidet.

Es wurde bis in die 1990er-Jahre als Bauernhaus genutzt und 2013 renoviert. In den beiden unteren Etagen befinden sich seither zwei Ferienwohnungen die über die Stiftung Ferien im Baudenkmal vermietet werden.

Der nächste Nachbar des Alten Pächterhauses, buchstäblich auf der anderen Straßenseite, ist die Wallfahrtskirche Heiligkreuz, was diesen Ort zu einem besonders ruhigen und friedlichen Urlaubsziel macht.

Wallfahrtskirche Heiligkreuz

Die Wallfahrtskirche Heiligkreuz bei Hasle wurde 1588 an der Stelle erbaut, wo 1344 Johannes von Aarwangen, ein Zisterzienserbruder aus dem Kloster St. Urban, eine Kapelle und ein Eremitenhaus errichtet hatte. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie 1753/1754, als der Architekt Jakob Singer die ursprünglich spätgotische Kapelle um einen Beichtstuhl und einen Turm ergänzte und das Innere im Rokokostil umgestaltete.

Die Fresken an den Wänden wurden bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1976 entdeckt.

Während sich unser vorheriges Ferienhaus, die Stüssihofstatt, im Tal des Schächentals befindet, liegt das Alte Pächterhaus auf einem der vielen Hügel des Entlebuchs und bietet eine wunderbare Aussicht auf die Umgebung. Wir hatten das Glück, einige schöne Sonnenuntergänge zu erleben.

Tag 5: Naturtag: Biosphäre Entlebuch

Die Biosphäre Entlebuch ist ein fast 400 Quadratkilometer grosses Naturschutzgebiet. Es ist nach dem Schweizerischen Nationalpark in Graubünden das zweite UNESCO-Biosphärenreservat der Schweiz. Es umfasst fast ein Drittel der Feuchtgebiete der Schweiz und beherbergt über 300 verschiedene Pilzarten. Es bietet auch einige interessante Aktivitäten, die wir nicht erwartet hätten, wie das Goldwaschen im Napfgebiet oder das Köhlerhandwerk in Romoos.

Heiligkreuz

Die lokalen Wanderwege in Heiligkreuz beginnen direkt vor der Haustür des Alten Pächterhauses. So verbrachten wir den Vormittag damit, einige von ihnen zu erkunden, wie beispielsweise den Seelensteg, ein Waldrundgang auf einem Holzsteg, den Gesundheitsweg, einen Barfußpfad durch den Wald und den Kraftbaum, ein grosser, Jahrhundertealter Bergahorn, haben wir auch besucht.

Chessiloch-Wasserfall und Hängebrücke

Am Nachmittag beschlossen wir, das Chessiloch zu besuchen, eine 6 km lange Wanderung mit beeindruckenden Wasserfällen und zwei Hängebrücken. Die Wanderung beginnt in Flühli, wo man auch gut das Auto parken konnte, und folgt zunächst der Strasse, bevor der Weg in den Wald führt. Die neue Hängebrücke wurde 2019 gebaut und überquert den Seebach in einer Höhe von 45 m.

Tag 6: Moderne Kunst in Luzern

Nachdem wir zunächst vor allem die historische Seite von Luzern erkundet hatten, mussten wir nochmals zurückkommen, um die moderne Seite zu erkunden, denn Luzern ist auch ein Zentrum der Architektur und der Kunst des 20. Jahrhunderts.

KKL

Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern KKL wurde vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfen und zwischen 1995 und 2000 erbaut. Es ersetzt das ehemalige Kunst- und Kongresszentrum des Schweizer Architekten Armin Meili aus den Jahren 1933/34. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf etwas mehr als 220 Millionen Schweizer Franken. Das KKL umfasst drei Hauptvolumen: einen Konzertsaal für fast 2000 Zuschauer, den Mehrzwecksaal Luzern und das Kunstmuseum Luzern. Sie sind im Erdgeschoss durch zwei Wasserläufe aus dem Vierwaldstättersee getrennt, die in das Gebäude fließen, und werden durch das riesige auskragende Dach von 113 m mal 107 m zu einem großen Komplex zusammengeführt.

Konzertsaal

Der Konzertsaal bietet Platz für 1898 Zuschauer und gilt als einer der schönsten Säle der Schweiz.

Während die Eingänge zum „Salle blanche“ mit roten Teppichen ausgelegt sind, ist der Konzertsaal selbst ganz in Blau- und Weißtönen gehalten, von den blauen Sitzen über die weißen Putzreliefs an den Wänden bis hin zum nachtblauen Sternenhimmel.

Der amerikanische Akustiker Russell Johnson nutzte die Dimensionen der berühmten Konzertsäle von Wien und Amsterdam als akustische Vorbilder. Der Raum verfügt außerdem über einen höhenverstellbaren Akustikschirm über der Bühne sowie einen Hallraum mit fünfzig Drehtüren, die es ermöglichen, das Volumen des Saals je nach Anlass um 7000 Kubikmeter zu vergrößern. Das Eröffnungskonzert am 18. August 1998 wurde von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado gespielt, und seither wurden hier zahlreiche Aufnahmen gemacht, wie z. B. das Album Somewhere von Keith Jarrett.

Kunstmuseum

Das Kunstmuseum Luzern wurde im Jahr 1932 gegründet. Seit 2001 befindet es sich im 4. Stock des KKL. Die Sammlung des Kunstmuseums Luzern ist ein kulturelles Archiv der Zentralschweiz mit mehreren Tausend Objekten von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Bahnhof Luzern

Der Bahnhof Luzern befindet sich in unmittelbarer Nähe des KKL. Der historische Bahnhof wurde leider 1971 durch einen Brand zerstört. Er wurde durch einen Neubau des Architekturbüros Ammann und Baumann ersetzt und von dessen Mitarbeiter Santiago Calatrava entworfen. Damit ist das Gebäude eines der ersten grossen Projekte von Santiago Calatrava, der 1991 an der ETH Zürich promovierte. Die transparente Glaskonstruktion schliesst die über 100 m lange Bahnhofsfassade mit 16 14 m hohen Betonstützen ab.

Sammlung Rosengart

Die Sammlung Rosengart ist ein Museum für moderne Kunst in Luzern, das 2002 eröffnet wurde. Es befindet sich in der ehemaligen Schweizerischen Nationalbank, die 1924 nach Plänen von Hermann Herter gebaut und von Diener & Diener für das Museum umgebaut wurde.

Es enthält Werke aus der Privatsammlung der Familie Rosengart. Angela Rosengart und ihr Vater Siegfried Rosengart waren Kunsthändler, die sich auf die klassische Moderne spezialisiert hatten und im Laufe der Zeit eine Privatsammlung mit über 300 Werken anlegten, wobei Paul Klee und Pablo Picasso am stärksten vertreten sind.

Tag 7: Alle guten Dinge gehen einmal zu Ende

Nach dieser spannenden und abwechslungsreichen Ferienwoche mussten wir uns leider wieder auf den Nachhauseweg machen. Auf der Route 10 in Richtung Bern begegneten wir unterwegs einer Inalpe, dem Sommer-Aufstieg der Kühe auf den Berg, und waren freudig überrascht, in Trubschachen auf den Kambly Erlebnis- und Fabrikladen zu stossen. Da mussten wir einfach anhalten! Wir lernten die Geschichte der Feingebäck-Herstellers Kambly kennen und machten viele süsse Einkäufe.

Dominik Gehl lebt in Lausanne und arbeitet als Software-Ingenieur. Zu seinen Hobbys gehören Architekturreisen und Fotografieren. Auf Instagram postet er täglich unter @dominikgehl.

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