Der Steinbau


Ein grosser Teil der heute bekannten Steinbautengebiete haben sich erst im Laufe der Entwicklung von den Holzbauten verabschiedet. So war im Jura bis ins 16. Jahrhundert der Bohlen-Ständerbau weit verbreitet. Erst mit einer behördlichen Vorschrift zum Schutz der Wälder schrieb man den Freiberger Bauern vor, ihre Häuser mit Steinernen Aussenmauern zu errichten.

Bestimmt ursprünglich ist der Steinbau nur in Temporärsiedlungen des Alpenraumes und in den südalpinen Talschaften. Die Tessiner Handwerker waren Meister in der Erstellung von Trockenmauern. Diese Handwerkskunst weiteten sie aus auf das Errichten mörtelloser Steinhäuser, die oft Wanddicken von 50 bis 60 cm aufwiesen.

Die Schönheit unverputzter Wände, die die teilweise behauenen Steine zeigen, weist die handwerkliche Sorgfalt auf, mit er die Mauern geschichtet wurden. Der lokale Gneis im Tessin trägt zur ortsbildprägenden Architektur bei. Die steinernen Wände wurden mit hölzernen Unterzügen, welche die Böden tragen, ergänzt. Auch das Gebälk des Daches wurde aus Holz ausgeführt und oftmals mit Steinplatten gedeckt, wie im Casa Portico in Moghengno.

Neben der einfachen Tatsache des zur Verfügung stehenden Materials, können auch historische und kulturelle Gegebenheiten Einfluss auf die Bauweise gehabt haben. Steinhäuser wurden als vornehm eingeschätzt, Holzbauten hingegen galten eher als bäuerlich. Daher waren kirchliche Bauten und diejenigen der weltlichen Obrigkeit oft aus Stein gebaut und demonstrierten Macht und Reichtum, siehe so die Mönchsklause in der Kartause Ittingen in Warth-Weiningen.

Steinbauten wurden auch deshalb wertvoller und repräsentativer eingeschätzt, da sie feuerfest waren. In Küchenräume wurden in der Regel, selbst in Holzbauten, die Wände aus Stein errichtet. In einer Zeit in der Feuer zur Wärmeerzeugung, Nahrungszubereitung und Lichterzeugung unabdingbar war, kein unwesentlicher Grund. Mit Stein kann man zudem statisch besser in die Höhe bauen, daher der Bau der Kirchen in Stein. Und als robustes und widerstandsfähiges Material war es die Richtige Wahl für die Erbauung von Burgen.

Die Zunahme der Steinbauten förderten die vielen Brände, wie auch die Holzknappheit gewisser Regionen. So entstanden auch interessante Mischformen: Schön ablesbar ist dies an den Steinhäusern des Engadins, das noch im 17. Jahrhundert ein Gebiet des Holzblockbaus war. Brände, Kriegszüge und Holzmangel führten zu einem markanten Wandel: Die Holzhäuser wurden mit Steinmauern ummantelt und aufwändig verziert. Niemand vermutet heute hinter den steinernen Prachtfassaden der Engadinerhäuser ein einfaches Holzhaus. Wie beispielsweise bei der Chesa Sulai in S-Chanf. Auch die von Heimkehrern vermittelten Vorbilder der italienischen Palazzi förderten das Bauen mit Stein. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Palazzo Glaser/Kunz in Poschiavo.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum Ballenberg. Auf dem Ballenberg werden Gebäude aus ländlichen Gegenden der Schweiz ausgestellt und erforscht, die der rasanten Bauentwicklung der 1960-80er Jahre weichen mussten. Das Freilichtmuseum trägt einen wichtigen Teil zur Erhaltung historischer Bausubstanz und der Vermittlung von Baukultur bei.

Quellen und weitere Informationen: Schweizer Bauernhäuser, Max Gschwend und Museumsführer Museum Ballenberg.